Gorch Fock - Sachlichkeit tut Not

Gut drei Monate ist es her, dass die junge Marinesoldatin Sarah Lena Seele im brasilianischen Hafen Salvador da Bahia tödlich verunglückte. Der Tod dieser jungen Soldatin erfüllte und erfüllt viele mit großer Trauer, so auch die Mitglieder der Reunion.

Nachdenklich macht die Mitglieder der Reunion die offensichtliche Vereinnahmung dieses Unfalls für politische und sonstige Zwecke. Der Tod der Soldatin und die vermeintlichen sowie tatsächlichen Ereignisse im gesamten Umfeld der Gorch Fock werden derzeit vielfach als Vehikel missbraucht.

Missbraucht nicht nur von einigen Politikern, sondern auch durch einige - teils eindeutig falsche - Meldungen in den Medien. Da ist es letztlich egal ob der Toten, deren Hinterbliebene, einer ganzen Mannschaft, einer ganzen Schiffsführung oder der Marine Schuld, Versagen oder Unfähigkeit in sich abwechselnden Facetten, verbunden mit einem Mix als Halb- oder Unwahrheiten im wahrsten Sinne des Wortes zugeschrieben wird. Die Betroffnen leiden und in der Öffentlichkeit entwickelt sich langsam ein nachhaltiges Zerrbild mit fatalen Folgen für die Betroffenen. Unwahrheiten werden zur feststehenden Tatsache. Diese angeblichen Tatsachen führen zu falschen Entscheidungen.

Für den normalen Mediennutzer ist es schwer aus der Vielzahl von Informationen zum Thema „Gorch Fock“ den roten Faden zu behalten. Wenn am 14.02.11 der ARD-Hörfunk und die Süddeutsche Zeitung beispielsweise berichten, dass die derzeitige Stimmung ob der Berichterstattung in den Medien an Bord schlecht sei und einige Mitglieder der Stammbesatzung u. a. wegen dieser Berichterstattung nach der Rückkehr nach Deutschland ihren Dienst bei der Marine quittieren wollen, spricht beispielsweise Bild Deutschland im Internet von „Skandal auf dem Segelschulschiff - Neue Meuterei auf der Gorch Fock?“

Jedenfalls manövrierte bekanntlich diese Stammbesatzung nach dem tödlichen Unfall am 07.11.2010 die Bark als Botschafter der Bundesrepublik zu den 200-Jahr-Feierlichkeiten der Unabhängigkeit Argentiniens und Uruguays von Spanien. Und als diese im Januar 2011 schließlich die Magelanstraße passiert und Kap Horn erfolgreich umschifft hatte, wurde sie mit unvermittelter Härte mit dem inzwischen eskalierten angeblichen Skandal über die „unhaltbaren Zustände an Bord“ ihrer Gorch Fock konfrontiert.

52 Jahre erfolgreiche Ausbildung von rd. 14.500 Marineoffizieren wurde und wird offen in Frage gestellt. 52 Jahre hervorragende Botschaftertätigkeit als deutsches Kriegsschiff ohne Waffen führte das Segelschulschiff dabei über 750.000 Seemeilen in 380 Häfen in 55 Ländern der Welt. Diese Botschafterrolle ist ein großes Pfund für die Bundesrepublik - und wird in Frage gestellt.

Mit diesem Beitrag wollen wir als Reunion zur Versachlichung der teilweise hitzigen Diskussion beitragen. Dabei sind wir der festen Überzeug, dass Fehler oder Fehlverhalten bei der Ausbildung der Marineoffiziere so es sie gegeben hat oder gibt, abgestellt werden, und zwar ohne Wenn und Aber. Bekanntlich lernt man am Besten aus Fehlern.

In keinem Fall unterstützen wir aber verdeckte politische Interessen, die über das Medium Gorch Fock und die angeblichen Skandale weitergehende Veränderungen in der Struktur der Bundeswehr z. B. durch eine einheitliche Offiziersausbildung aller drei Waffengattungen der Bundeswehr verfolgen.

Solche Veränderungen dürfen nur nach sorgsamer offener politischer Diskussion und nach Abwägung aller Vor- und Nachteile erfolgen.

Entschieden treten wir für eine Berichterstattung im Rahmen der grundgesetzlich garantierten und auch notwendigen Pressefreiheit ein; eindeutig falsche Meldungen müssen aber zum persönlichen Schutz Betroffener beispielsweise durch gute Recherche verhindert werden.

In jedem Fall wird sich aber die Deutsche Marine und ihre Soldatinnen und Soldaten auf die Unterstützung der Reunion verlassen können. Die Bundesrepublik Deutschland braucht eine gut ausgebildete und moderne Marine und hoch motivierte Soldatinnen und Soldaten. Dies ist zweifelsfrei!

Bernd Koller
2. Vorsitzender der Reunion